Jörn Albrecht: geboren in Berlin, aufgewachsen in Schwaben. Studium der Romanistik, Germanistik und Allgemeinen Sprachwissenschaft in Tübingen  und Berlin. Erstes Staatsexamen (1966), Promotion (1970) und Habilitation (1977) in Tübingen. Lehrtätigkeit in unterschiedlichen Positionen  in Tübingen, Florenz, Würzburg, Germersheim, Mainz und Heidelberg. Seit Herbst 2004 im unverdienten Ruhestand. Stammt aus einer linguistisch geprägten Richtung der Übersetzungsforschung und überläßt kognitionspsychologische oder neurolinguistische Forschungen gerne denjenigen, die auf den betreffenden Gebieten ausgewiesen sind. Hier einige seiner theoretischen Positionen in apodiktischer Form: Ein gemäßigter Funktionalismus in der Übersetzungstheorie ist eine Sache des gesunden Menschenverstandes; niemand kann sich ernstlich gegen ihn stellen. Allerdings muß eine intersubjektiv verifizierbare Rückbindung des Translats an den Ausgangstext immer gewährleistet sein; somit ist und bleibt die (richtig verstandene) „Äquivalenz“ definitorisches Kriterium für jede Art von Übersetzung im engeren Sinn. Die Tätigkeit des Übersetzens und Dolmetschens ist keine rein sprachliche Operation und läßt sich daher auch nicht ausschließlich mit sprachwissenschaftlichen Methoden untersuchen. Übersetzungstheoretisch bedingte „strategische“ Entscheidungen sind den sprachbedingten praktischen Problemen („Übersetzungstechnik“) übergeordnet. Jedoch sind es die rein sprachlichen Operationen bei der Übersetzung und Verdolmetschung von Texten in einem gegebenen Sprachenpaar, die den Übersetzer- und Dolmetscheralltag maßgeblich bestimmen. In diesem Bereich lassen sich Verfahren erarbeiten, die wirklich lehr- und lernbar sind. Die prospektiv-präskriptive und die retrospektiv-deskriptive Ausrichtung (Descriptive Translation Studies) der Übersetzungsforschung stehen derzeit in scharfem Gegensatz – unnötigerweise, denn es handelt sich nicht um kontradiktorische, sondern um komplementäre Ansätze. Man kann auf beiden Gebieten arbeiten, ohne in Widersprüche zu geraten. (Jörn Albrecht, Juli 2005)

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