Strukturalismus und
Poststrukturalismus sind intellektuelle Bewegungen des 20. Jahrhunderts, die die
Grundlagen der Geisteswissenschaften nachhaltig tangiert haben. Sie sind auch an
der Romanistik (und den übrigen Neueren Philologien) nicht spurlos vorübergegangen:
Die Tradition zentraler Begrifflichkeiten (wie Sprache, Bedeutung, Text, Autor,
Leser, Literatur, Kultur, u.a.m.), die theoretischen Prämissen und
methodologischen Verfahren bleiben nicht mehr selbstverständlich, sondern
werden seither einer ständigen kritischen Revision unterzogen. (Lévi-Strauss
über Barthes, Lacan bis hin zu Derrida und Foucault)
Jörn Albrecht: Europäischer Strukturalismus. Ein forschungsgeschichtlicher Überblick,
UTB, Stuttgart, September 2000
Übersetzung als Vermittlung
Jörn Albrechts Geschichte, Theorie und kulturelle Wirkung der literarischen
Übersetzung
Jörn Albrecht hat eine Arbeit über die literarische Übersetzung
geschrieben, die ihren wissenschaftlichen Wert behält. Sie bemüht sich,
"eine allgemeinverständliche Synthese vorzulegen. Der Textteil soll dem
delectare gewidmet sein, der Anmerkungsapparat und das umfangreiche
Literaturverzeichnis dem prodesse vorbehalten bleiben." Im Mittelpunkt
stehen die Literaturbeziehungen zwischen dem deutschen und den benachbarten
Sprachräumen.
Im ersten Teil des Buches werden die Geschichte und die Theorie
des Übersetzens dargestellt. Albrecht beschäftigt sich mit dem alten
rhetorischen Frageschema quis, quid, ubi, quibus auxiliis, cur, quomodo, quando,
nämlich was, wurde wann, warum und wie übersetzt. Präzis beantwortet er, wer
mit welchen Hilfsmitteln übersetzt hat. Er fügt Übersetzungsbibliographien
und einen Überblick über die vorhandene Übersetzungsliteratur hinzu. Er führt
in die Übersetzungstheorie und -praxis ein und erklärt die Unterschiede
zwischen "freiem" Übersetzen und "wörtlichem" oder
"treuem" Übersetzen, durch das "Sinn, Stil und Wirkung" des
originalen Textes bewahrt werden. In einem weiteren Kapitel beschäftigt er sich
mit der Bibel, die noch immer eine Herausforderung für den Übersetzungsforscher
darstellt. Zuletzt untersucht der Verfasser, inwieweit die Zielsprache durch
eine Übersetzung beeinflusst werden kann.
Im zweiten Teil des Buches bezieht sich Albrecht auf die
kulturelle Wirkung der literarischen Übersetzung. Er bewertet den Beitrag der
Disziplinen Literaturgeschichte, Literaturwissenschaft und Vergleichende
Literaturwissenschaft zur Übersetzungstheorie und -praxis. Doch in seinem
Kapitel "Vom literarischen Kanon zum literarischen Markt" hat Albrecht
die Gelegenheit verstreichen lassen, sich ausführlicher auf den zeitgenössischen
literarischen Markt zu beziehen. Er betont nur, wie wenig die Arbeit der Übersetzer
in Besprechungen von neu erschienenen oder neu aufgelegten Büchern beachtet
werde. Zunächst präsentiert er verschiedene europäische Nationalliteraturen
in ihrer Rolle als "Nehmende", dann in der als "Gebende"
(unter die Lupe nimmt er die Literaturen Italiens, Frankreichs, Spaniens und
seiner iberischen Nachbarn, Großbritanniens und Irlands, Deutschlands, Österreichs
und der Schweiz). Ein Blick auf Übersetzungen der zeitgenössischen Literatur
fehlt.
Jörn Albrecht: Literarische Übersetzung.
Geschichte-Theorie-Kulturelle Wirkung.
Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1998.
aus: Evangelia Karamountzou (http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=65&ausgabe=199902)
Diese Seite ist Bestandteil der WEB-Site: "WWW.Übersetzungswissenschaft.de"