Jekaterina Lebedewa: Philosophische Poesie und poetische Philosophie. Die russischen Slawophilen in der Mitte des 19. Jahrhunderts
Strukturlogisch hat die von den Slawophilen geprägte kulturologische Opposition "Osten – Westen" den russischen kulturellen Diskurs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestimmt. Vor dem Wirken der Slawophilen, im 18. Jahrhundert, wurde in Rußland "Kultur" noch mit westeuropäischer Kultur gleichgesetzt, und Abweichungen von diesem Denkschema als Abweichungen von der Vernunft aufgefasst.
Die das Denken und Dichten der Slawophilen bestimmende Antithese Osten – Westen bildete die Voraussetzung für die theoretische und praktische Fixierung des poetischen Charakters russischer Philosophie im Slawophilentum. Diese Erkenntnis der Slawophilen und ihre praktische Umsetzung beförderten die spezifische Synthese von Philosophie und Literatur in der russischen Kultur.
Die Analyse der philosophischen Poesie und der poetischen Philosophie der Slawophilen zeigt das Slawophilentum als ein ästhetisches Phänomen. Sie offenbart den literaturzentristischen Charakter des Slawophilentums und seine Folgen für das russische Kultursystem.

(aus: Der russisch-westliche Streit um das "alte" und "neue" Russland. Historiographie, Geschichtsverständnis, Kulturkonzepte und Aufklärung  (1700-1825) http://www.uni-potsdam.de/u/fea/osteuropa/projekt6.htm)