Übersetzungsprozessforschung

Innerhalb dieser Richtung begann man, den Übersetzungsprozess, d.h. die Aktivität des Übersetzers während des Übersetzens, empirisch zu erforschen. Zum ersten Mal standen hier nicht mehr Texte im Mittelpunkt, sondern die mentalen Prozesse, die im Kopf des Obersetzers ablaufen. Zwar hatte es schon immer Aussagen über den Übersetzungsprozess - vor allem von den Übersetzern selbst gemachte - gegeben, doch wurden erst jetzt subjektive Überlegungen praktizierender Obersetzer von objektiven, empirisch basierten Studien zum Obersetzungsprozess ergänzt. Indem man einzelne Obersetzer und ihre Strategien sowie Entscheidungsprozesse während des Übersetzens studiert, nimmt man hier eher die Mikroperspektive zum Studienobjekt Übersetzen ein.

Man hat in der empirischen Übersetzungsprozessforschung meistens mit der LD-Methode ("Methode des Lauten Denkens") gearbeitet, die so funktioniert, dass eine Testperson mit der Obersetzung eines Textes beauftragt und aufgefordert wird, während des Übersetzens "laut zu denken", d.h. zu versuchen, möglichst viel von den Denkprozessen, die während des Übersetzens ablaufen, zu verbalisieren. Die Verbalisierungen werden auf Tonband (in gewissen Fällen auch auf Video) aufgenommen, danach in Form von sog. LD-Protokollen transkribiert und anschließend analysiert. Auf diese Weise konnten viele Aspekte des Obersetzungsprozesses studiert werden, z.B. Äquivalentauffindungs- und Problemlösungsstrategien und Grad der Automatisierung im Übersetzungsprozess

 

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